Mein Leben, ein Ponyhof und die Tierbestattungen

Leben, Liebe, Tod

Da habe ich gestern bei Facebook fröhlich 3 bunte Bilder gepostet mit dem Titel „Das Leben ist ein Ponyhof“: Ich auf dem Pferderücken gegen den blauen Himmel, ein Selfie mit Vera beim Abäppeln voller Schaffensfreude auf dem Paddock und ein Zaubernussstrauch mit zarten gelben Blüten in der Wintersonne. Unser Ponyhof eben. Ein Hauch von Frühling und richtig gute Laune.

Fortwährend gute Laune gibt es natürlich auch bei mir nicht, aber die Tendenz ist meistens optimistisch. Der Ponyhof war ja schon immer mein Traum – ein eigener Stall für unsere drei Pferdejungs und ihre Kollegen, Physiotherapie für Tiere, Seminare, Training, Unterricht. Einfach so machen wie ich möchte, ohne von einem Stallbetreiber gebremst zu werden. Damals zu dem Zeitpunkt stimmte einfach alles. Es war nicht immer nur Sonnenschein, aber meistens. Es war Leben und Liebe, und es hat immer Spaß gemacht.

Dann kam vor ein paar Jahren der Moment, an dem ganz plötzlich klar war, dass sich alles verändern wird. Dass ich demnächst für mich sein werde, dass ich Entscheidungen treffen muss, dass ich auch ganz allein für mich sorgen muss. Und dann hat es sich verändert, nicht wirklich alles, aber vieles.

Den Ponyhof gibt es immer noch, er macht immer noch Spaß, und das Leben ist trotzdem noch bunt und auch schön. Zu Hause sind kurz vor Weihnachten drei Katzenkinder eingezogen. Sie sind lustig und wild und lassen den Wunsch nach Fernsehen gar nicht erst aufkommen. Sie bespaßen mich an jedem Abend, und der beste Hund der Welt ist immer für mich da. Ich bin total dankbar für meine Bande.

Ich arbeite jetzt als Bestatterin, das ist mir einfach so begegnet. Nicht zufällig, denn es fällt einem ja zu, was fällig ist…

Und um allen Unkenrufen entgegenzuwirken: Nein, es ist kein trauriger Beruf. Doch, es macht richtig Freude, in einem Bestattungsinstitut zu arbeiten. Ich kümmere mich um Menschen in emotionalen Extremsituationen. Um Menschen, die gerade einen großen Verlust erlitten haben. Ich orientiere mich an ihren Wünschen und organisiere einen Abschied voller Würde. Fast immer kommen unsere Kunden nachher auf uns zu und sind dankbar. Sie sagen, dass es gut war, so wie es war. Sie sind froh, dass sie sich würdevoll verabschieden konnten. Und das ist es, was mich wirklich glücklich macht.

Ich liebe diesen Job, er ist genau meins. Ich habe die coolste Kollegin der Welt und die besten Kollegen ever, und einen besseren Chef kann ich mir nicht wünschen. Wir sind ein tolles Team.

Meinem Chef habe ich es ja überhaupt zu verdanken, dass ich jetzt hier sitze und für Tierbestattungen Sonnentiere z. B. Blogartikel schreibe. In den ersten Tagen, nachdem ich angefangen hatte bei ihm zu arbeiten, gab mein Chef mir nämlich eine Zeitung mit einem Artikel über eine Tierbestatterin aus Bayern und sagte: „Das wäre doch etwas für Sie, oder?“

Korrekt. Und seit dem Tag saß der Gedanke in meinem Kopf fest. Es hat bis zur Realisierung etwas gedauert, aber jetzt sind wir hier: Tierbestattungen Sonnentiere in Essen. Das bin ich, Susanne Sonne Wagner und mein Team, Sabine Kosuch und Bärbel Schultz aus Gelsenkirchen.

Ab jetzt übernehmen wir Bestattungsaufträge für Haustiere, respektvoll und mit Liebe, ohne Zeitdruck und mit Ruhe. Ab jetzt sind wir einsatzbereit.

Es ist alles organisiert und startklar:

Die Autos sind ausgestattet, das Veterinäramt ist zufrieden und hat uns zertifiziert, das Gewerbe ist angemeldet, die Flyer im Druck und die Website kurz vor online. Und was passiert jetzt? Ich scharre mit den Hufen. Wenn die Flyer endlich da sind, verteile ich sie auf der Stelle in den Tierarztpraxen in Essen, Gelsenkirchen, Herne, Bochum, Duisburg, Mülheim, in den Tierfuttergeschäften, beim Raiffeisenmarkt, der WDR macht einen Bericht über uns und die WAZ auch, und, und, und…

Und dann kümmere ich mich weiterhin um Menschen in Extremsituationen. Es ist ein extrem heftiges Erlebnis, sein geliebtes Tier zu verlieren. Es ist Verlust, Ohnmacht, Trauer und Furcht. Weil ich weiß, wie sich das für mich anfühlt, kann ich mich der kleinen Fellnasen annehmen, ihren Menschen zur Seite stehen und einen würdevollen Abschied für sie organisieren. Ich sorge dafür, dass ihre Asche einen guten Platz bekommt. Weil es nämlich nicht nur „ein Tier“ ist, sondern es ist immer ein geliebtes Familienmitglied.

Ich kann ein kleines bisschen dabei helfen, die Trauer erträglich zu machen, den Schmerz zu bewältigen und am Ende vielleicht im Abschied einen Weg in eine neue Zeit zu finden.

Unsere Tiere sind uns das wert, Gott sei Dank. Wenn ich hier sitze und meine kleinen Racker anschaue, dann bin ich froh, dass es Tierbestattungen gibt. Und dass gerade ich dabei bin.

Für Fusi, Lily, Janjou, Kalle und all die anderen glücklichen Tiere, die täglich mit all ihrer Liebe unser Leben begleiten. Danke, dass es euch gibt!

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2 Kommentare. Leave new

  • Susanne We.
    5. März 2018 08:56

    Guten Morgen!
    Ich freue mich sehr, dass es Sie gibt. Endlich ein Tierbestatter in der Nähe. Ich wohne mit meiner Familie und meinen zwei Hunden in Altenessen Grenze Karnap. Wir haben drei Tage vor Weihnachten die schrecklich Diagnose bekommen, dass unser Berner Senne, im April wird er 10 Jahre, Krebs hat. Wir wissen nicht, wieviel Zeit uns noch bleibt, Tage, Monate??? Bis jetzt ist er noch fit und man merkt ihm nichts an. Wir genießen jeden Tag mit ihm um so intensiver. Aber der Tag wird kommen, an dem der Abschied naht. Kann man Sie auch vorher persönlich kennen lernen, um ein Vorgespräch zu führen? Ich würde mich sehr freuen.
    LG Susanne

    Antworten
  • Liebe Susanne,
    vielen Dank für Ihren gefühlvollen Kommentar! Ich würde mich freuen, wenn ich Sie und Ihre Berner Sennenhündin kennenlernen dürfte.
    Gern beantworte ich dann all Ihre Fragen. Sollen wir uns verabreden? Ich wünsche Ihnen an dieser Stelle noch viele goldene Momente mit Ihrem Hund und gute und intensive Augenblicke!
    Herzlichst,
    Ihre Susanne Wagner

    Antworten

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